Das Pflichtbuch für Hundehalter

Veröffentlicht von Pedi am

In erster Linie handelt dieses Buch gar nicht von Hunden, sondern von uns Menschen. „Ach nee“, könnte man als Hundeverrückter denken, „ich will doch eigentlich etwas über Hunde lernen!“.

Und so stellt man das Werk zurück ins Regal oder klickt beim digitalen einkaufen einfach weiter.

Dabei ist dieser Klassiker das wichtigste Buch für Hundehalter.

Pflichtlektüre sozusagen.

Ja, aber es geht doch um „das andere Ende der Leine“ – ja genau, nämlich das Ende der Leine, das immer die Probleme macht. Das Ende der Leine mit der Schlaufe. Das Ende der Leine ohne Karabiner. Das Ende der Leine – das wir in der Hand haben-!

In der Tat haben wir es in der Hand, wie wir mit unseren Hunden umgehen. Wir sind diejenigen, die reflektierte Entscheidungen treffen können. Wir sind diejenigen, die ihr Verhalten bewusst ändern können und wir sind die diejenigen, die Probleme lösen können.

Das bedingt natürlich, dass wir verstehen woher die Probleme kommen.

Patricia B. McConnell ist promovierte Zoologin und mit ihren 71 Jahren immer noch sehr aktiv, um sich für die Kommunikation zwischen den Spezies einzusetzen. Sie sagt sie sei  in Rente, aber ihr Blog und ihre Facebook-Seite sind dennoch hochaktuell. Immer wieder greift sie Themen auf, die relevant für uns Hundehalter sind.

Mit ihrem, in 14 Sprachen übersetzen, Buch „Das ander Ende Der Leine; Was unseren Umgang mit Hunde bestimmt“ nimmt sie uns mit in ihre Welt und hilft uns ganz nebenbei zu verstehen, wie wir unsere Probleme mit Hunden lösen können. Salopp, leicht und flüssig zu lesen, aber wissenschaftlich fundiert, klärt sie uns zunächst über uns selbst und unser Primaten-Verhalten,  unsere „affige Natur“, auf.

Unsere eigenes Verhalten wird analysiert und uns vor Augen geführt. Mrs. McConnell hilft uns, uns selber besser zu verstehen!

In letzter Zeit hiess es in der Hundeszene immer wieder, man solle doch „intuitiv“ handeln und die Hunde mit unserem Gefühl für was richtig ist, erziehen.

Ganz oft habe ich gehört, mir ging es auch so, dass man gar nicht mehr wisse, wie man mit einem Hund umzugehen hat, weil der und der das und das gesagt hat, aber es doch so und so sei. Und so schwer kann es doch nicht sein, einen Hund zu erziehen, schliesslich machen Menschen das doch seit über 10,000 Jahren.

ABER, Hunde sind Caniden und wir sind Primaten.

Die Missverständnisse sind sozusagen  vorprogrammiert. Mit Intuition und „ich mache das so wie ich denke“ kommt man irgendwann an seine und vor allem an die des Hundes: Grenzen. Wenn diese überschritten werden, tut es meistens weh. Weil Hunde nun mal scharfe, spitze, harte Zähne im Fang haben, die sie einsetzen müssen um sich zu wehren, oder um der wahrscheinlich gut gemeinten „Intuition“ zu wiedersprechen.

„Hunderziehung, so stellt sich heraus, hat doch nicht so viel mit Intuition zu tun, und je mehr sie lernen, desto leichter und vergnüglicher wird es.“

Das ist vielleicht der wichtigste Satz in diesem Buch und der steht Gottseidank bereits auf Seite 13 und motiviert, uns mit dem profunden Wissen, das  Frau McConnell bereit stellt, ernsthaft auseinander zu setzen.

Hundebücher

Bei allen Unterschieden, haben Hunde und Menschen doch viel gemeinsam, und das diese beiden Spezies einen besonderen Draht zueinander haben, ist ja auch bereits klar.

Wir bekommen aufgezeigt, wo unsere Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen.

Durch viele Beispiele aus Patricia B. McConnell´s Praxis als Hundetrainerin und Hundehalterin lernen wir unsere eigene, wie auch die der Hunde, Körpersprache bewusster wahr zu nehmen. Die hauptsächliche Hausaufgabe im ersten Teil des Buches ist, zu erkennen, auf welche, uns unbewussten Signale, unser Hund gelernt hat zu reagieren.

Ganz nebenbei bekommen wir viele kostbare Tipps und Tricks vermittelt.

Wir lernen zu verstehen, wie wichtig und profund die Kommunikation über das blosse verlagern des Körpergewichts funktionieren kann. Wie „Druck“ entsteht, aufgebaut wird und genutzt wird. Wie wichtig die Blickrichtung ist. Und vor allem, wie konträr und unlogisch wir Menschen in den verschiedensten Situationen reagieren. Aber wir erfahren auch, was manche Menschen an sich haben, zu denen sich Hunde wie magisch, hingezogen fühlen, wie genau wir am besten mit Hunden sprechen, welche Wirkung der Tonfall hat, und warum Fuchskacke so wunderbar ist.

Die Autorin nimmt uns mit, um tiefer in das Verständnis der sozialen Strukturen und Prägungen unserer beiden Spezies einzutauchen. Welche Funktionen Spiel und Körperkontakt haben wird uns vermittelt, zusammen mit der Aufgabe zu überprüfen wann und wie wir unseren Hund anfassen.

Über „Dominanz“, den „Alphawurf“ und Aggression werden wir umfassend aufgeklärt, und wie wir es hinkriegen, dem Hund ein Zuhause zu bieten, in dem er friedvoll und glücklich leben kann.

Durch die amüsanten und interessanten Anekdoten über ihre Arbeit mit ihren Border Collies beim Schafe hüten, werden uns achtsames, wohlwollendes Training, Gehorsamkeit und sanfte aber effektive Korrekturmaßnahmen näher gebracht.

Zum Schluss bekommen wir noch wertvolle Hinweise in Punkto Rasse und Charakter und wie wir Hunde finden, die zu uns passen. Auch wie wir mit dem unausweichlichen Tod unserer besten Freunde umgehen, lässt die Autorin nicht aus.

Mit diesem wichtigen Werk hat uns Patricia McConnell einen Schlüssel zum Verständnis unserer wunderbaren Hunde geschenkt.

Am besten, man lässt es auf dem Nachttisch liegen und fängt, wenn man es wieder einmal durchgelesen hat, gleich nochmal von vorne an.


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