Hundehaltung, ökologisch

Veröffentlicht von Pedi am

Grünes Denken bei der Hundhaltung, geht das?

Hundehaltung, ökologisch, geht das?

Gedanken und 7-Punkteplan

Wenn man betrachtet welche Berichte momentan durch die Medien gehen, könnte man annehmen, dass wir Menschen nach und nach sensibler werden, was unser ökologisches Bewusstsein angeht. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass die Ozeane voller Müll sind, Mikroplastik in den Gewässern schwebt, und die Luft voller Schadstoffe ist.  Ausserdem wird das Wetter, dank Klimaerwärmung, nie mehr so sein, wie wir es eigentlich kennen.

Aber es gibt immer mehr Bioprodukte und wer es sich leisten kann, kauft auch mal ein „Organic Cotton“ T-Shirt. Viele Läden berechnen ein paar Cent für die Plastiktüten und handgemachte Upcyclingsachen sind Trend. Bienensterben ist ein Thema unter Hauptstadthipstern und in den Kindergärten werden Insektenhotels gebastelt. Also eigentlich alles gut. Oder?

Wir Hundehalter sind ja sowieso naturverbunden, haben bestenfalls auch einen Hund aus dem Tierschutz und da wir generell nur mit Hund verreisen, buchen wir auch keine Urlaubsflüge oder Kreuzfahrten. Also eigentlich alles gut. Oder?

 

Anfang Mai haben wir die Interzoo in Nürnberg besucht. Diese Messe ist die Leitmesse für die Heimtierbranche. Bei wirklich vielen Ständen war „all natural“ oder „eco“ oder sowas in der Art zu lesen. Es gab sogar eine „Sustainability Session“ im Rahmenprogramm und die Presse war sich einig, dass Nachhaltigkeit Trend ist. Soweit so gut. Oder?

Theoretisch könnten wir uns doch zurücklegen und den Dingen ihren Lauf lassen.

Theorie und Praxis

Praktisch jedoch kriege ich regelmäßig die Krise, wenn ich durch den Supermarkt gehe, oder was eher selten passiert, in unser lokales Einkaufszentrum gehe. Die angebotenen Waren verschmelzen vor meinem inneren Auge zu Plastikmassen. Plastikmassen, die sich, wenn wir fertig mit den Produkten sind die darin verpackt sind, oder wenn wir fertig mit den Produkten an sich sind, die aus Plastik bestehen, dann als gigantische Müllberge auf mich zu rollen. Zugegeben, ich hatte schon immer eine rege Fantasie, aber irgendwie rechnet mein Hirn das ganze Verpackungsmaterial und unnütze Zeug zusammen, was man heutzutage so kauft (wie z.B. Plastikschlaufen als Schnürsenkel, Fidgetspinner, WM-Ballwecker usw. usf.) und präsentiert mir das dann als Special Effects Gig in meinen schlimmsten Träumen.

 

Die Krise geht weiter, wenn ich betrachte, was meine beiden Hunde so wegfuttern. Meine Schützlinge sollen ja gesund sein und fit und wir alle wissen, dafür brauchen sie gesundes Fleisch. Fleischkonsum ist ja bekanntermaßen für einen Großteil der Klimaerwärmung verantwortlich, verbraucht Unmengen an Wasser und von dem Tierleid aus der Industriellen Haltung fangen wir gar nicht erst an zu reden.

Die verstoffwechselten Fleischberge müssen dann auch noch entsorgt werden und ich frage mich bei jedem Haufen, was jetzt die ökologischste Art ist, damit umzugehen? Den Kackhaufen liegen lassen und der natürlichen Entsorgung durch Mikroorganismen überlassen, dabei jedoch Anwohner und Passanten zu verärgern, aber einen Kotbeutel aus Plastik sparen? Dann doch lieber aufsammeln und mit Plastikbeutel im Restmüll entsorgen. Ob das gut ist für die Verbrennungsanlagen? Vielleicht doch besser den Kotbeutel aus Kartoffelschalen nehmen und unters Gebüsch pfeffern? Wenn das die Nachbarn sehen, denken die, ich bin die totale Sau, weil sie ja nicht wissen, dass es ein zertifiziert kompostierbarer Beutel ist. Dann doch lieber in den Restmüll… so viel Kopfzerbrechen über Hundescheisse ist auch nicht ökonomisch.

 

Konsumwut?

Nur um das klar zu stellen, ich bin keinen Deut besser als alle Anderen. Ich habe auch mal Lust auf ein neues T-Shirt und ich kaufe regelmäßig neue Laufschuhe. Wir Hundehalter haben diesbezüglich ja einen echten Verbrauch. Ausserdem verbringe ich viel Zeit im Internet, das verbraucht Serverstrom. Das iPhone rede ich mir als notwendig ein, weil ich mit Social Media mein Geld verdiene. Mein größter Überkonsum jedoch passiert weil ich neue Sachen für meine Hunde kaufe.  Eine Kühlweste für die Hundeomi ist ja auch wirklich eine Erleichterung. Der Faltnapf für unterwegs ist auch ernsthaft praktisch, passt in die Handtasche. Dummies kann man sowieso nie genug haben und Leckerli und die passende Hüfttasche dazu braucht man rein aus erziehungstechnischen Maßnahmen. Eine Pfeife um den Rückruf ordentlich hinzukriegen, Futtertubes für die Jackpotbelohnung, den Hundeschuh für die verletzte Pfote, das Spezialhandtuch wenn wir vom Regen überrascht werden. Bürsten und Pflegeprodukte, denn meine Hunde sollen ja gesellschaftsfähig sein, nicht müffeln und immer einen guten Eindruck hinterlassen. Kauartikel für die Zahnpflege, diverse Decken, Kissen und Betten, ach ja, und Spielzeug (Bälle, Stofftiere, usw.)  – braucht man alles. Und Bücher, wer sich in diesen Zeiten nicht weiter bildet ist töricht.

Ja, und dann noch meine große Leidenschaft: Geschirre, Halsbänder und Leinen – alles Dinge die man als Hundehalter wirklich braucht. Diverse Fabrikate und Anwendungsbereiche müssen berücksichtig werden. Wenn ich nicht regelmäßig Kartons mit alten, nicht mehr so coolen, ´eh nicht gepassten´ Halsungen zum Tierschutz bringen würde, könnte man meinen ich hätte in dieser Sache ein Problem.

Zu all dem kommt noch dazu, dass ich in dieser Branche arbeite. Das ist zwar die Erfüllung eines Lebenstraums, macht die Situation aber nicht wirklich besser. Ich kaufe Produkte aus „Benchmarking“ Gründen, das heisst, ich will sie mir ansehen, studieren, erfahren wie der Wettbewerb das macht. Ich habe Prototypen, Muster, und finale Produkte. Ach so, Canicross mache ich auch noch, da braucht es nochmal eine andere Sorte Geschirr, Leine und Hüftgurt.

Crazy. Das alles.

Die Produktentwicklungsstrategie von HundeNerd

Raus aus dem Sog

Wie entkommt man dem Zwang, ständig neue Dinge zu kaufen? Wobei es doch so praktische Neuerungen sind, die auf die Märkte kommen? Produkte, die man schon immer haben wollte, oder wirklich braucht?  Warum soll man sich denn einschränken, Konsum ist doch der Motor unserer Gesellschaft? Jeder verkaufte Artikel hält die Wirtschaft im Gang und sichert unsere Arbeitsplätze. Und ist es denn nicht ein schönes Gefühl, wenn man sich etwas leisten kann? …oder endlich eine Lösung für dies oder das Problem findet, einfach dadurch, dass es ein neues Produkt dafür auf dem Markt gibt?

Eine Zwickmühle, ein Dilemma – wir leben in einer Kultur die durch den Konsum geprägt ist – wie können wir uns damit arrangieren und trotzdem mündig werden in Punkto Nachhaltigkeit und Ökologie, ethischem Verbrauch und überlegtem Handeln?

Erstmal durchatmen

Wir alle sind nur Menschen und weit entfernt davon, einigermaßen verantwortungsvoll mit unseren gemeinsamen Ressourcen umzugehen. Wir treffen irrationale Entscheidungen und sind uns selbst am nächsten. Wenn wir so richtig tief durchatmen, und uns ein bisschen entspannen, können wir zurücktreten und uns von aussen betrachten. Der Wahrheit ins Auge sehen und uns dann daran erfreuen, dass wir fähig sind zu lernen und uns zu verändern. Wir können jeden Tag ein ganz kleines bisschen netter werden, uns ein bisschen mehr anstrengen und nachdenken.

Wie also können wir ganz konkret ökologischer handeln?…Rücksichtsvoller werden, um unseren kostbaren Planeten für die Zukunft nicht komplett zu versauen?

Das Nachschlagewerk zum Thema

Der 7 Punkte Plan für eine grüne Zukunft

  1. Lassen wir doch das Fleisch für die Hunde!

Fleisch ist nun anerkannt als der Klimakiller Nr. 1. Neueste Forschungen berichten, dass die weltweite Fleischindustrie mehr CO2 verursacht als die Erdölkonzerne! Das ist krass, aber auch gut, da wir alle daran relativ viel tun können. Es ist mittlerweile recht einfach geworden sich den Fleischkonsum abzugewöhnen. Viele tolle Ersatzprodukte, z.B. aus Pilzprotein, die helfen können, den Speiseplan umzugestalten, sind problemlos im Supermarkt zu finden. Man kann wunderbar vegetarisch grillen oder sogar ganz auf tierische Bestandteile in den Lebensmitteln verzichten. Hafermilch schmeckt fast genauso wie herkömmliche Milch und ist sogar gesünder.

 

2.  Vielleicht können wir auch den Fleischkonsum unserer Hunde reduzieren?

Obwohl sich herumgesprochen hat, das „Barfen“ mega gesund sein soll, ist der Fleischanteil bei dieser Ernährungsform für viele Hunde sogar zu viel. Einige Ernährungsberater für Hunde raten mittlerweile vom Barfen ab. Zu diesem Thema gibt es Blogs und Bücher, es ist nicht schwer sich hier aufzuschlauen. Wir haben einen Koch im Freundeskreis, der versorgt uns mit Fleischabschnitten (Sehnen, Fett, etc.) Die Abschnitte werden gekocht (Schweinefleisch niemals roh füttern – Aujetzkyvirus!) und die Hunde finden es wunderbar. Das ist ein Baustein in unserer Hundeernährung. Dazu kommen noch diverses Dosenfleisch aus Bioherkunft oder zumindest aus deutscher Produktion. Dieses Reinfleisch wird mit frischem Gemüse und einer kleinen Kohlehydratquelle, wie übrig gebliebene Kartoffeln oder ein paar Haferflocken, sowie Mineralstoffen und einem Öl ergänzt. Ab und zu gibt es vegane Leckerli oder auch mal Trockenfutter aus Insektenprotein. Warum nicht ein bisschen Kreativität bei der Ernährung unserer Fellnasen erproben? Mein Opa hat die Hunde durchweg mit Essensresten gefüttert, das wäre heute undenkbar, obwohl alle seine Hunde immer steinalt wurden!  Vielleicht kennt ihr ja sogar einen Jäger oder einen Metzger, der euch mit guten Fleischresten versorgen kann?

 

3. Urlauben in Deutschland

Kreuzfahrten und Flugreisen sind nicht nur schädlich fürs Klima, sondern auch noch schwierig für unsere Hunde. Nur sehr Wenige haben das große Glück eine tolle Urlaubsbleibe für den Hund zu haben, aber wenn wir ehrlich sind, wollen unsere Kumpel nicht wirklich von uns getrennt sein.. Wir machen zusammen Urlaub und fahren kurze Strecken. Auf der Autobahn abhängen macht ´eh kein Spaß.

 

4. Ernsthaft überlegen was gekauft wird

Egal, ob Hundezeug, Klamotten oder Gadgets – brauchen wir wirklich die Makrolinse fürs Handy? …das dritte Paar Flipflops? …die fünfte Hundedecke? Wenn wir tief in uns gehen und entscheiden, ja dies und das Produkt brauche ich, können wir immer recherchieren, ob es eine ökologische Variante davon gibt. So kann das Intelligenzspielzeug für Hunde aus Holz, statt aus Plastik sein. Oder die Hundedecke aus Biobaumwolle… So wird der Konsum zwar teurer als vorher, aber da die Bio-/Ökosachen meist besser hergestellt sind, halten sie länger und sind daher zwar oft eine Anschaffung, aber das dann mit gutem Gewissen.

 

5. Refuse, Reuse, Recycle, Repair, Reduce

Die „fünf R´s der Zero Waste Bewegung“: refuse – verweigern wir doch tatsächlich die Annahme von Plastikverpackungen! Reuse: benutzt Verpackung nochmal – wir benutzen z.B. die Glasflaschen eines tollen Smoothieherstellers zur Aufbewahrung von Kräutern und Gewürzen. Recycle: obwohl das Plastikrecycling in Deutschland eigentlich zur Farce geworden ist, da nur 15% des Recyclingmülls tatsächlich wieder verwendet wird, sollten man diesen Gedanken weitertragen. So kann man sich vornehmen ausschliesslich Recylingpapier zu benutzen. Repair: sachen reparieren die kaputt gegangen sind. Reduce: letztendlich reduzieren wir unseren Verbrauch. Die „fife R´s“ sind eine Ansage, eine Aufgabe, jeder kann dabei mitmachen..

 

6. Rethink

Das ist die Nr. 6 der „6 R´s of Green Living“: und bedeutet, seinen Lebensstil zu überdenken. Auch unsere Ansichten und Überzeugungen sind es ebenfalls wert, überdacht zu werden. Es ist richtig spannend zu sehen, wieviele interessante Erkenntnisse sich auftun! Lasst uns daran arbeiten uns schlau zu machen, zu lesen und herauszufinden wie wir Dinge auf eine grüne Art und Weise umsetzen können. Wer unbedingt eine Flugreise machen will, weil es ein Lebenstraum ist, z.B. nach Nepal zu reisen, kann den CO2-Ausstoss kompensieren, quasi Ablass zahlen. Es gibt diverse Organisationen die diesen Service anbieten. Oder vielleicht gibt es ein gemeinnütziges Projekt vor Ort, dass man dort unterstützen kann Fangen wir doch an anders zu denken!

 

7. Sei die Veränderungen die du in der Welt sehen möchtest.

Jeden Tag ein kleines Bisschen: wir brechen uns wirklich keinen Zacken aus der Krone, wenn wir die Person, die vor uns in der Warteschlange im Supermarkt ist, einfach mal anlächeln. Das tut gut. Der fremden Person und uns selbst. Nehmen wir uns doch endlich mal viel Zeit für unsere Hunde und machen tolle Spaziergänge. Wer spaziert konsumiert nicht! Was nervt, kann verändert werden. Vielleicht finden wir eine Möglichkeit uns in unserem Umfeld zu engagieren? Wenn wir uns umschauen finden wir bestimmt jemand oder ein Projekt das Hilfe gebrauchen kann. Es gibt so viel zu tun und für jeden ist etwas dabei was ihm oder ihr sogar Spaß macht. Garantiert.

 

Wir können das Ruder noch gemeinsam herumreissen. Daran glaube ich. Lasst uns Hundehalter Ökohelden werden. Gemeinsam.

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Sehr zu empfehlen auf dem Weg zur ökologischen Hundehaltung ist das wunderbare, intensiv recherchierte, wegweisende Buch von Kinga Rybinska: Grüner Hund, Handbuch für nachhaltiges Hundeleben, FRED & OTTO – Der Hundeverlag, Berlin 2018

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